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Schlendern und Schlemmen an der Weststrasse

Mit dem Rückbau der Weststrasse zu einer Quartierstrasse tut sich eine ganz neue Optik auf. Die
Strasse ist schon heute fast frei von Verkehr und so kann man sich endlich entlang der neuen
Flaniermeile unbehelligt zu Fuss oder per Velo umschauen. Von der Zweierstrasse Richtung Lochergut gehend, fallen neben den unauffälligen Wohnhäusern (wie konnte hier 35 Jahre gewohnt werden!) neu auch diverse Restaurants, Hotels, Läden und ja auch immer noch ein paar Sex-Etablissements ins Auge.

Gute Laune
Gute Laune beim äthiopischen Essen.
Das Ziel der Testesser von Quartiernetz3 ist das äthiopische Lokal «Marathon» an der Westrasse, das unscheinbar am neuen Bruppacherplatz liegt. Handgeschriebenes und das «Spiele Ecke»-Schild an den beiden Schaufenstern hätten nie verraten, was uns dahinter erwartete.

Grundnahrungsmittel der Äthiopische Küche (wie auch der von Eritrea) ist das spezielle Sauerteig-Fladenbrot namens Injera. Dazu werden diverse Saucen serviert, die es in verschiedenen vegetarischen und fleischhaltigen Ausführungen gibt. Gegessen wird mit der rechten Hand, da mit der linken die Körperreinigung vorgenommen wird und diese daher als unrein gilt. Wir entscheiden uns einmal für den vegetarischen Teller und einmal für das Marathon-Menu mit Fleisch (Rind, Poulet und Lamm).

Während wir auf das Essen warten, haben wir Zeit, uns im Lokal umzusehen und uns mit dem Besitzer Tsemaye-Habtemariam zu unterhalten. Er hat das Lokal von seinem Vorgänger, einem ehemaligen Marathonläufer, vor zwei Jahren übernommen. Daher auch der Name «Marathon». Im Lokal gibt es drei Tische, daneben liegt ein kleiner Billardraum. Ausser uns isst niemand, die äthiopische Kundschaft spielt und parliert. Man kennt sich. Das Essen ist frisch zubereitet, schmeckt ausgezeichnet und es gibt mehr als reichlich. Dazu trinken wir Bier und italienischen Wein.

Der abschliessende Verdauungskaffee wird nach äthiopischer Manier zelebriert: Zuerst wird zur Luftverbesserung Weihrauch entzündet und Kolo (geröstetes Getreide, zum Knabbern) zubereitet. Anschliessend werden die frisch gerösteten Kaffebohnen zerstossen, in einer traditionellen, äthiopischen Kaffeekanne (Jebanna) aufgebrüht und den Gästen serviert – Zubereitung und Service sind Frauensache. Da Äthiopien das Heimatland des Kaffees ist und mit größter Wahrscheinlichkeit auch das Land, in dem die Zubereitung des Kaffees entwickelt wurde, sollte auf diese Zeremonie keinesfalls verzichtet werden!

Fazit: Eine versteckte Oase mit sehr gutem Preis/Leistungsverhältnis (Fr. 30.–/Person). Tipp: bei Gruppen Essen für eine Person weniger bestellen. Hingehen!

Hintergrund zu äthiopischem Kaffeezeremoniell:
http://www.youtube.com/watch?v=iio0KZovuHU

Restaurant Marathon
Weststrasse 192, 8003 Zürich
Telefon/Fax: 044 463 59 24

Text und Foto: Pete Mijnssen